Superforecast

für die Oberösterreichische Landtagswahl
am 26. September 2021

erstellt am 19. Mai 2021

Superforecast kompakt


Die vorliegenden Zahlen und der Bericht des Superforecasts zeigen ein klares Bild:

Die Sehnsucht nach etwas vollkommen Anderen am politischen Markt und im politischen Spektrum ist so groß wie nie zuvor. Maßgebliche Faktoren dafür sind die Wahrnehmung der Menschen in Bezug auf die Corona-Maßnahmen und die immer wiederkehrenden Polit-Skandale quer durch alle bisher bekannten Parteien.


Das konkrete Ergebnis des Superforecasts für die Landtagswahl weist für "Beste Partei Oberösterreich" 10% der Stimmen aus. Möglich wird dies, da man mit den Themen und dem Organisationsaufbau den Puls der Zeit trifft. Auch klassische Umfragen zeigen ein klares Bild in Bezug auf die Unzufriedenheit der Bürger und Bürgerinnen mit der aktuellen Politik und den aktuellen Parteien inklusive dazugehöriger Entscheidungsträger. 91% der Bürger und Bürgerinnen zweifeln laut aktueller Spectra-Umfrage am Anstand und der Seriosität in der Politik. "Beste Partei Oberösterreich" trifft hier den Nerv der Menschen, und hebt sich zudem klar von anderen Alternativangeboten ab. Umgelegt auf Mandate bedeutet das prognostizierte Ergebnis 6 Sitze im Landtag, sowie - entsprechend dem Proporzsystem - einen Regierungssitz.

Hintergrundwissen - Was ist ein Superforecast

Ein Superforecast prognostiziert - im Unterschied zu einer klassischen Umfrage - das Ergebnis des Wahltages vorab. Er antizipiert somit die kommenden Ereignisse und Geschehnisse vorweg, während eine Umfrage naturgemäß einen Rückblick auf das Stimmungsbild der nah zurückliegenden Vergangenheit darstellt. Superforecasts bewähren sich insbesondere in volatilen Zeiten in komplexen Ökosystemen und in einer vielschichtigen Welt. Sind sind daher eine perfekte Annäherung für ein realistisches Ergebnis eines Wahltages. In diesem Fall der der oberösterreichischen Landtagswahl. Die ausgewiesenen Ergebnisse basieren auf Einschätzungen, Prognosen und Vorhersagen, denen Superforecast-Wissen und Quellen zu Grunde liegen, die regelmäßig klar treffsicherere Resultate bringen als jene der klassischen Institute (deren Wert wir aber in keinem Fall geringschätzen wollen). Im Gegensatz zu Instituten arbeiten Superforecaster in der Regel im Hintergrund. Der hier vorliegende Superforecast basiert auf Einschätzungen eines Experten, der den Sieg Trumps 2016 vorhersagte, den eingetretenen klaren Vorsprung Hofers im 1. Wahlgang der letzten österreichischen Bundespräsidentschaftswahl, und annähernd exakte Einschätzungen für die Nationalratswahlen 2017 und 2019 lieferte. Weiterführende Links siehe Beitrag "Superforecasting - Ein Beispiel für prognostische Evaluationssysteme" von Zukunftsforscher Matthias Horx, sowie das Buch "Superforecasting - The art and science of prediction" von Philip Tetlock.

Die politische Großwetterlage

Die entscheidenden Faktoren, die der Analyse mit dem auf den ersten Blick überraschend gutem Ergebnis für eine komplett neue Bewegung zu Grunde liegen, ist die Kombination aus der Sehnsucht der Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen nach etwas vollkommen Neuem am politischen Markt, mit der Aufsetzung eines Projekts und einer Partei, die dem Zeitgeist einer nicht unwesentlichen Gruppe an Menschen entspricht, und die auf Qualität und Substanz setzt.

Die klassischen Parteien verlieren die wachsende Gruppe an Menschen, die nicht in ihren Bedürfnissen und mit ihren Anliegen abgeholt wird. Parteien sind naturgemäß und systemimmanent ihren Mechanismen ausgesetzt. Parteiinteressen gehen in dieser Logik vor den Interessen der Bevölkerung. Durch die fortschreitende politische und demokratische Mündigkeit sowie Reife der Bürger und Bürgerinnen kristallisierte sich bereits im letzten Jahrzehnt der Trend zu stärkerer Bürgerbeteiligung heraus. Beste Partei hat eine andere Zugangsweise an die Fragestellungen der Politik, ein anderes “Wie”. Die Bürger und Bürgerinnen haben etwas zu sagen, und abholbare kollektive Intelligenz wird nicht gehoben, da alteingesessene Netzwerke dominieren. Insgesamt trifft der organisch gewachsene Nährboden politischer Innovationen auf die Zeit der bekanntermaßen weitreichenden und auch umstrittenen Corona-Maßnahmen, was zu einem realistischen Tippingpoints der Demokratieentwicklung führt.

In Österreich ist die oberösterreichische Landtagswahl zudem die erste, die diesen Fortschritt nach Ende der großen Lock-Downs in maßgeblicher Art und Weise widerspiegelt. Ein politischer Frühling und Sommer stehen bevor. Die Energie und der Fokus richtet sich wieder auf das Positive, während die teils chaotischen Zustände, verursacht durch die Regierung und die Parteien als maßgebliche Entscheidungsträgerkörper, im kollektiven Gedächtnis verankert bleiben. Die fortlaufenden Polit-Skandale quer durch alle aktuellen Parteien erinnern zudem faktisch tagtäglich an die in der Dekadenz befindlichen Organisationsstrukturen, und das zunehmend unzeitgemäße Selbstverständnis der bisher gewählten Politiker und Politikerinnen.

Die Rohdaten

In dieser Grafik finden sich die gesammelten Rohdaten. Im Vergleich zu einer klassischen Umfrage findet man hier bereits den fertigen Wert. Er speist sich insbesondere aus einer Vielzahl "weicher" Faktoren. Umfragen sind gut validierbar, sie schaffen es aber vergleichsweise weniger gut in die Zwischenräume vorzudringen, die oftmals - und insbesondere in bewegten Zeiten - den Unterschied ausmachen. Die klassischen Umfragen, inklusive Berichte der Institute zur Wahlmotivforschung fließen als aktuelles Stimmungsbild übrigens mit ein. Was jedoch beim Superforecast dazu kommt ist die “Secret Sauce” - das Gespür für anstehende Entwicklungen. Dadurch werden Adaptionen vorgenommen, und der erwähnte Antizipationsfaktor miteinbezogen. In der obigen Auflistung wurden die prognostizierten Prozentsätze zusätzlich mit dem Ergebnis der letzten Landtagswahl verglichen.

Die Stimmenanteile

Den Ergebnissen zufolge bleibt die ÖVP mit nur leichten Verlusten zu 2015 stimmenstärkste Partei. Die FPÖ verliert von hohem Niveau kommend beträchtlich. Die SPÖ setzt ihren Abwärtstrend fort, verliert aber nur leicht, während die Grünen leicht dazugewinnen. Die Neos stagnieren, und bleiben erneut unter den für den Einzug nötigen 4%. "Beste" überspringt diese Hürde sehr deutlich. Die restlichen Parteien verzeichnen leichte Zugänge.

Die Wählerstromanalyse für die Landtagswahl


Besonders relevant sind für die oberösterreichische Landtagswahl die Wählerströme.


Die FPÖ könnte 2015 durch die einsetzende Flüchtlingskrise sehr viele Stimmen von der ÖVP gewinnen. Seither gab es bekanntlich zahlreiche Skandale, die auch auf die oberösterreichische Landesorganisation einwirken. Haimbuchner distanziert sich zwar gut, jedoch steckt letztendlich natürlich die gleiche Partei dahinter, mit den bekannten regelmäßigen “Einzelfällen”. Ausgerechnet der Haimbuchner nicht nahestehende Kickl konnte zuletzt die Kernwählerschaft aktivieren, so wie auch neue Gruppen erschließen. Trotz aller Skandale - Stichwort Ibiza - scheint ein Abschneiden über 20% als gesichert. Der Verlust von mehreren Prozentpunkten dürfte aber unausweichlich sein.

 

Die ÖVP wiederum profitiert von diesen Einbußen und gewinnt an ihrem rechten Rand verlorene Stimmen zurück. In der Mitte ist jedoch aufgrund der türkisen Skandale rund um Kurz und Blümel ein Verlust unausweichlich. Der im Vergleich zu bisher wesentlich autoritärer geprägte Kurs verschreckt gemäßigte Wähler und Wählerinnen der Mitte. Stelzer steht vor der Herausforderung sich als einer der Vize-Parteichefs im Bund zu Kurz zu bekennen, um die Kernwähler zu mobilisieren, und einer Abgrenzung aufgrund der Skandale. Eines seiner Probleme ist zudem, dass er für einen Spitzenkandidaten wenig eigene Strahlkraft mitbringt. Die Marketingkampagnen laufen auf Hochtouren - der noch bei der letzten Wahl vorne stehende Pühringer war jedoch in dieser Hinsicht ein anderes Kaliber. Des weiteren, ähnlich wie bei Kurz im Bund, funktioniert in Oberösterreich das System ÖVP sehr gut. Es wird spannend, ob es auch hier zu Skandalen oder möglichen Aufdeckungen kommt.

 

Die SPÖ als drittstärkste Gruppierung, hat viel ihrer ehemaligen Kraft eingebußt. Ähnlich wie im Bund läuft man alten Erfolgen hinterher. Ihr Problem ist gewissermaßen ihr früherer Erfolg. Historisch betrachtet wurden vielen Forderungen erreicht, aber in den letzten Jahren fehlen die zeitgemäßen Ideen. Klassischer Klassenkampf zieht nicht mehr. Die Arbeiterschaft ist längst in Scharen zur FPÖ gewandert. Die Frage nach der Existenzberechtigung abseits des noch treuen Kerns bleibt unbeantwortet - auch in Oberösterreich unter Gerstorfer.

 

Von dieser SPÖ-Schwäche profitieren zum Teil die Grünen. Hier findet ein klassischer Wähleraustausch statt. Bekannt mitunter unter dem Term “Leihstimmen”. Derzeit überzeugt jedoch keine der beiden Parteien links der Mitte. Die Grünen hätten an sich durch die Aktualität der Klimakrise Aufwind - dieser verschwindet jedoch gänzlich durch die Zerrissenheit der Bundespartei im Rahmen der Regierungsbeteiligung. Kaineder will in eben diese in Oberösterreich nicht unbeliebte Konstellation, lässt bisher jedoch politischen Instinkt vermissen, und scheint nicht das Format seines Vorgängers Anschober zu haben, der als Ironie des Schickals im Bund aufgeben musste.

 

Erwähnenswert sind zudem die Neos, die zwar im Landtag nicht vertreten sind, jedoch bekanntlich im Nationalrat. Sie haben allerdings seit jeher einen schweren Stand in Oberösterreich. Ob der Einzug diesmal gelingt bleibt fraglich. Es fehlt am besonderen inhaltlichen Angebot, und personell wie intern war es nie ruhig. Zuletzt wieder präsent war der Machtkampf in Linz, an dem auch Eypeltauer als bis vor kurzem Gemeinderat beteiligt war.

 

Alle der bisher bekannten Parteien sind derzeit mehr am Verlieren als am Gewinnen, was dazu führt, dass ein vergleichsweise hoher Anteil an Wählern und Wählerinnen auf der Suche nach etwas Neuem ist. Wenn keine Partei wirklich überzeugt und - wie eingangs erwähnt - 9 von 10 Menschen die aktuelle Politik in Bezug auf Anstand und Seriosität anzweifeln, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine bewegliche Masse von 10-15% sich für etwas komplett Anderes entscheidet, sehr hoch.

Die Mandatsverteilung

In Mandaten bedeutet dies 6 Sitze für "Beste", 7 für die Grünen, 9 für die SPÖ, 13 für die FPÖ, sowie 21 für die ÖVP als Partei mit der relativen Mehrheit.

Die Regierungssitzeverteilung

Im in Oberösterreich vorherrschenden Proporzsystem, das wie die Mandatsverteilung ebenfalls nach dem d'Hondtschen Verfahren berechnet wird, kommen alle einziehenden Gruppierungen auf mindestens einen Landesregierungssitz. Die FPÖ kommt dabei auf zwei (bei Verlust eines Sitzes), und die ÖVP bleibt bei ihren vier. Die Kür des Landeshauptmannes oder der Landeshauptfrau würde wie bisher in der 2. Republik über die ÖVP führen.

Resümee



Spannend für die kommenden Wochen und Monate wird sein, das Potential einer den Zeitgeist treffenden entstehenden Bewegung genauer zu eruieren, beispielsweise durch die renommierten und bekannten Institute. Wie viele Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen können sich vorstellen bei der Wahl am 26.9. einer aufstrebenden neuen Bewegung die Stimme zu geben? Umfragen, wie jene von Spectra, die am 15. Mai diesen Jahres in den OÖN veröffentlicht wurde, weisen aus, dass 91% der Bürger und Bürgerinnen am Anstand und an der Seriosität in der aktuellen Politik zweifeln. Hier finden sich also bereits spannende Anhaltspunkte für diese Frage. Für die Wahl selbst scheint die Schwankungsbreite der im Spektrum bekannten Parteien vergleichsweise niedrig. "Beste" könnte als Gruppierung mit Substanz in einem Umfeld und einer Zeit, die nach anderen aber guten Lösungen sucht, der große Überraschungsfaktor der Landtagswahl werden.

Quellen:

- Artikel OÖNplus - Spectra Umfrage: https://www.nachrichten.at/politik/innenpolitik/umfrage-91-prozent-zweifeln-am-anstand-in-der-politi...

- SORA LTW 2015: www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/ltw-ooe15.html


Die Bilder und die Analyse dürfen unter Angabe der Quelle (www.ooe.bestepartei.at) verwendet werden. Studie zur Verfügung gestellt von der Packademy - Akademie für die Politik der Zukunft.